Amphibien entwickeln Resistenzen gegen Killerpilz

10.07.14

Tödliche Seuche

Amphibien entwickeln Resistenzen gegen Killerpilz

Weltweit werden Frösche und Lurche von einem tödlichen Pilz bedroht: Der sogenannte Chytridpilz greift die Haut an und schwächt das Immunsystem. Eine neue Studie gibt nun Anlass zur Hoffnung.

Von Walter Willems

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Forscher sind besorgt über die Ausbreitung des für Frösche tödlichen Chytridpilzes (Abbildung rechts). Der Pilz wächst auf der obersten Schicht der Haut von Amphibien und ist nur schwer zu erkennen

 

Im Kampf gegen den dramatischen weltweiten Amphibienrückgang wegen einer Pilzinfektion bietet eine Studie Anlass zur Hoffnung: Wie US-Biologen in der Zeitschrift "Nature" berichten, entwickeln zumindest manche Frösche und Kröten eine Immunität gegen den Chytridpilz.

Auch Kontakt zu dem toten Pilz kann die Tiere weniger empfänglich für den Hautpilz machen. So könne man bedrohte Amphibien in Gefangenschaft an den Erreger gewöhnen und dann wieder in ihrer Heimat ansiedeln.

Krankheitserregende Pilze bedrohen viele Tiergruppen, darunter Fledermäuse, Bienen, Korallen und Schlangen. Für Aufsehen sorgte in den vergangenen Jahren der Chydridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis; Bd), der Amphibien wie etwa Frösche weltweit – vor allem aber in Amerika und Australien – dahinrafft. Der aus Afrika stammende Hautpilz schwächt unter anderem das Immunsystem seiner Wirte und verändert ihren Wasser- und Elektrolythaushalt.

Die Forscher um Taegan McMahon und Jason Rohr von der University of South Florida in Tampa untersuchten nun, ob Amphibien Resistenzen gegen den Erreger entwickeln können. Zunächst brachten sie Eichenkröten (Bufo quercicus) in Kontakt mit dem Pilz. Später setzten sie die Tiere in ein Terrarium mit zwei Kammern, von denen in einer das Substrat Bd-frei war, in der anderen nicht.

Infizierte Tiere meiden den Erreger

Jene Tiere, die zuvor ein- bis zweimal mit dem Erreger infiziert waren, bevorzugten in zwei Dritteln der Tests die pilzfreie Kammer – im Gegensatz zu jenen Kröten, die den Pilz noch nicht kannten. Die zuvor infizierten Tiere mieden also den Erreger.

In einer zweiten Versuchsreihe prüften die Wissenschaftler an Kuba-Laubfröschen (Osteopilus septentrionalis), ob der Kontakt zu dem Pilz Immunität anregen kann. Dazu infizierten sie die Tiere mehrmals mit Bd und reinigten sie anschließend wieder. Tatsächlich sank mit der Häufigkeit der Infektionen die Erregerlast auf der Haut der Frösche, vom ersten bis zum dritten Kontakt im Mittel um 75 Prozent.

Untersuchungen zeigten, dass mit der Kontakthäufigkeit unter anderem die Zahl der Lymphozyten in der Milz zunahm. Im letzten Versuch zeigten die Forscher, dass auch Kontakt zu totem Pilzmaterial die Immunität anregt.

Ausbreitung des Pilzes bremsen

Dies könnte zum Erhalt bedrohter Amphibien beitragen. Angesichts der Gefährdung durch den Erreger haben Tierschützer Tiere Hunderter bedrohter Arten gesammelt, die sie nun in Gefangenschaft halten.

"Resistenzen in diesen in Gefangenschaft lebenden Amphibien anzuregen könnte ihre erfolgreiche Wiederansiedlung ermöglichen", schreiben die Wissenschaftler. Schon eine geringere Anfälligkeit einzelner Tiere könnte die Ausbreitung des Pilzes in Populationen entscheidend bremsen.

Dies hänge letztlich jedoch von vielen Faktoren ab, räumen die Forscher ein, etwa wie viele Arten Resistenzen entwickeln können und ob dies auch die Larven betrifft.

Dennoch: "Die hier vorgestellten Resultate lassen hoffen, dass andere wilde Tiergruppen wie etwa Fledermäuse, Bienen und Schlangen, die durch invasive Pilze bedroht werden, ebenfalls in der Lage sind, Resistenzen zu erwerben und durch immunitätsbasierte Eingriffe gerettet werden könnten."

 

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