Erkrankungen

Dies kann nur ein Versuch sein, etwas in der Kürze zusammenzufassen, wofür der Spezialist schlechthin - Herr Dr. Mutschmann - in seinem Buch 352 Seiten benötigt. Deshalb auch hier gleich die Buchempfehlung für Jeden, der sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchte.

Erkrankungen der Amphibien von Frank Mutschmann

Klappentext: In zunehmendem Maße werden Tierärzte mit Problemen der Behandlung von "Exoten" konfrontiert. Obwohl Amphibien in der biologisch-medizinischen Forschung seit langem eine wichtige Rolle spielen, findet die "Amphibienmedizin" in der einschlägigen Literatur nur geringe Beachtung. Um dem abzuhelfen, wurde der aktuelle Kenntnisstand in diesem Werk zusammengefasst. Dem Praktiker steht damit ein Ratgeber zur Verfügung, der es ihm ermöglicht, pathologische Veränderungen zu erkennen und gezielt zu therapieren.  Diesem Ziel entsprechend wird eine kurze Übersicht über die rezenten Amphibien, ihre Lebensweise, Reproduktion, und ökologische Bedeutung gegeben. Grundlegende Ausführungen zu anatomischen und ausgewählten physiologischen Besonderheiten wie Thermoregulation, Wasserhaushalt, Stoffwechsel- und Infektabwehrmechanismen sowie Aspekte der Wundheilung bei Lurchen runden den allgemeinen Teil ab. Im speziellen Teil werden - nach Organsystemen gegliedert - die diagnostischen, prophylaktischen und therapeutischen Möglichkeiten beschrieben. Der interessierte Amphibienhalter findet wichtige Hinweise zur Pflege dieser Tiere, zu den häufigsten Haltungsfehlern und zu Störungen der Reproduktion. Die Bedeutung von Amphibien als potentielle Gefahrenquelle für die menschliche Gesundheit wird ebenso erwähnt wie Rechtsvorschriften, die beim Umgang mit Amphibien zu beachten sind. 1998, Parey Buchverlag, Berlin, ISBN 3-8263-3095-1, 352 Seiten

An dieser Stelle möchte ich eine Powerpoint Präsentation von Herrn Mutschmann zur Ansicht anbieten und von einen Vortrag ebenfalls die Zusammenfassung. Therapeutische Möglichkeiten und Medimentation werden hier beschrieben.


Allgemeines

Immer wieder tauchen ähnliche oder gleiche Probleme mit erkrankten oder vermutlich erkrankten Fröschen auf. Gerade bei Anfängern führt dies verständlicher Weise schnell zu starker Verunsicherung. Da Krankheiten sich im Vorfeld leider nicht ankündigen, steht man völlig überrascht vor einem Problem und guter Rat ist teuer. Nicht verwunderlich, dass dann schnell die Ursache beim Züchter/Verkäufer gesucht wird. Aber dies ist seltener der Fall. Vielmehr kommt es auf die Haltungsbedingungen an. Ein optimal eingestelltes Terrarium ist die Vorraussetzung, dass ein Tier nach dem Erwerb nicht gleich schwächelt. Wie oft habe ich auf der Börse Interessenten erlebt, die ganz angetan und fasziniert von den bunten Pfeilgiftfröschen waren und sich erst Tiere kauften und dann im Anschluss das passende Terrarium auf der Börse suchten. Zu häufig wird in aller Euphorie viel Geld für ein neues Tier ausgegeben, aber viel zu wenig für die spätere Behausung. Von artgerechter Haltung möchte ich erst gar nicht sprechen, wenn ich Bilder von viel zu trockenen und erbärmlich eingerichtete Becken sehe. Dabei gibt es doch so viele Quellen und Hilfen im Internet, die es einem erleichtern sollten, Anfängerfehler zu vermeiden. Davon abgesehen, dass Bücher heute eher selten gelesen werden, bevor man mit einem neuen Hobby beginnt. Eine Investition die sich in jedem Fall lohnt.

 


Tipps und Ratschläge:

  • das erkrankte Tier nach Möglichkeit separieren und in Quarantäne halten.
  • weiterhin gut beobachten und optimal mit Futtertieren versorgen
  • eine Kotprobe sammeln und einschicken bzw. nach Rücksprache mit dem Tierarzt einen Abstrich einschicken (z.B. EXOMED Am Tierpark 64, 10319 Berlin, Telefon: 030/51067701, eMail: mutschmann@exomed.de).
  • einen Amphibien/Reptilien erfahrenen Tierarzt aufsuchen, am besten im Vorfeld in Frage kommende Tierärzte ausfindig machen (z.B.: DGHT:Tierärzte)

Von 4 der wohl häufigsten Erkrankungen unserer Amphibien hier ein paar Details:

  • Streichholzbeinchen
  • Horn- und Bindehautentzündung
  • Red Leg Disease, Aeromonas
  • Chytridiomykose

 


Streichholzbeinchen

Als Streichholzbeinchen-Syndrom wird eine Unterentwicklung der Vorderbeine bei  Dendrobatiden und Vertretern anderer Froschlurch-Gattungen bezeichnet. Den Kaulquappen wachsen ein- oder beidseitig nur unterentwickelte Vorderbeine, die i.d.R. einen Landgang verhindern. Bei Schwanzlurchen ist das Problem hingegen unbekannt.

Ursache:

Die Ursache ist noch nicht endgültig geklärt. Es wird von genetischen Ursachen, Mangelernährung der Kaulquappen, sowie von Umweltbedingungen wie Wassertemperatur usw. ausgegangen. Meinen Erfahrungen nach, lassen sich Streichholzbeine vor allem durch abwechslungs- und vitaminreiche Futterversorgung der Elterntiere, Einhaltung von Gelegepausen und Verwendung von Regenwasser für die Quappenaufzucht verhindern.

Symptome:

Die Erkrankung führt zu einer Missbildung der Vorderbeine und einer Unterentwicklung der Muskulatur. Die betroffenen Jungfrösche schaffen entweder den Landgang nicht oder sie nehmen keine Nahrung auf und verhungern innerhalb kurzer Zeit. Missgebildete Tiere sollten sofort aussortiert werden.

Vorsorge:

Es gibt keine gesicherten Vorsorgemassnahmen, solange die Ursache nicht restlos geklärt ist. Die Ursachen können von Fall zu Fall variieren. Jeder sollte versuchen die Haltungsbedingungen zu prüfen und zu optimieren. Erste Maßnahem die Versorgung der Elterntiere abwechslungsreicher gestalten. Vitamine eventuell UV-Bestrahlung testen. Zweitens das verwendete Quappenwasser überprüfen. Quappentee, Eichenblätter und Javamoos probieren. Quappenfutter checken auf Haltbarkeit und Qualität. Lebendfutter wie rote und weiße Mückenlarven oder auch Frostfutter verschieden Sorten ausprobieren.


Horn- und Bindehautentzündung

Horn- oder Bindehautentzüngung (Keratoconjunctivitis) kann zur Erblindung eines oder beider Augen führen. Sie ist im Anfangsstadium nur schwer zu erkennen und wenn sie erkannt wird, ist es vermutlich schon zu spät. In manchen Fällen wird die Krankheit erst durch die starke Abmagerung des Frosches erkannt.

Ursache:

Die Krankheit kann verschiedene Ursachen haben. Einerseits können Verletzungen im Augenbereich dazu führen, andererseits kann es sich auch einfach um eine Infektion handeln. Parasiten können ebenfalls die Entzündung auslösen, was allerdings eher bei Wildfängen der Fall ist. Bei der lipiden Keratopatie ist die Ursache nicht bekannt, kann ihren Ursprung aber möglicherweise in zu fetter Ernährung haben.

Symptome:

Erblindung eines oder beider Augen, was dazu führt, dass das Tier keine Nahrung mehr aufnehmen kann, da das Jagen verunmöglicht wird. Bei meinem erkrankten Tier konnte ich beobachten, dass der Frosch zwar jagte, das Futtertier aber nicht erwischte. Ich erkläre das so, dass er zwar auf einem Auge noch was sehen konnte, durch die eingeschränkte Sehfähigkeit des anderen Auges aber die Distanz nicht mehr einschätzen konnte und daher dauernd daneben griff. Dadurch magerte das Tier massiv ab. Mit der Zeit trübte sich das erkrankte Auge auch stark ein. Letztendlich führte das Ganze zum Tod des Tieres.

Behandlung:

Das erkrankte Tier sollte schnellstens separiert werden und das Auge mit geeigneten Augentropfen behandelt werden. Nähere Angaben kann der amphibienkundige Tierarzt machen. Zusätzlich sollte versucht werden, das Tier zum Fressen zu bringen (z.B. mit der Pinzette).

 


Red Leg Disease, Aeromonas

Seit 100 Jahren kennt man eine Krankheit, die den Namen: Red-Leg-Disease erhielt. Die hauptsächlich durch Aeromonas hydrophilia hervorgerufene Red-Leg-Disease wird durch Stress ausgelöst. Die hellen ventralen Körperseiten und Schenkelinnenflächen zeigen rote Verfärbungen, die letzlich im englischen Sprachgebrauch auch zu dem Namen Red-Leg-Disease führten. Dabei handelt es sich um petichiale Blutungen oder Ekchymosen in Haut, Skelettmuskulatur und im Verdauungstrakt sowie um subkutane Ödeme. Der übrige Tierkörper ist auffallend blaß. Gelegentlich wird blutiger Schleim erbrochen. Die betroffenen Tiere sind apathisch und stellen die Nahrungsaufnahme ein. Einzelne Patienten zeigen Hautrisse oder sind aufgebläht. Vor dem Eintritt des Todes werden gelegentlich Krämpfe beobachtet. Red-Leg-Disease ist eine Faktorenkrankheit und tritt fast ausschließlich nach Haltungsfehlern wie Überbesatz, schlechte Wasserqualität, Transportmängel und/oder falsch gewählter Temperatur auf. Letzlich ist die hohe Keimzahl im Haltungsmedium Auslöser dieser Krankheit, bei der neben Aeromonas hydrophila weiter Keime wie Pseudomonas aeruginosa, Aeromonas liqufaciens, Alcaligenes faecalis, Mima sp., Flavobacterium, Citrobacter und Proteus auftreten können. Aeromonas hydrophila führt nicht nur zu Red-Leg-Disease, sondern auch zum Massensterben von Larven der Anuren, wie z.b. bei Rana sylvatica. Hird und Mitarbeiter konnten diesen Erreger bei ihren Untersuchungen bei 63% der untersuchten 104 adulten Rana pipiens nachweisen und machten diesen für den Rückgang der Population verantwortlich. Der Erreger erhielt von den verschiedenen Untersuchern zwischenzeitlich folgende Synonyme: Bacillus ranicida, Bacillus hydrophilius fuscus, Bacillus hydrophilius, Bacterium ranicida und Proteus hyrophilius. Er löst nicht nur Red-Leg-Disease aus, sondern wird bei Sektionen in den inneren Organen und bei der Maulfäule nachgewiesen. Aeromonas salmonicida, der nur bei Fischen festgestellt wurde, führte in einer Zuchtgruppe von Xenopus laevis zu erheblichen Verlusten. Hautulzerationen fand man im Bereich der Maxillaren, Mandibularen und Nasen. Die Hautläsionen waren durch multifokale Erosionen und tiefe ulzerierende Nekrosen gekennzeichnet. Die Leber enthielt multifokale Infiltrate mononuklearer Leukozyten. Bei allen Individien war eine Nephrose ausgebildet. Glorioso und Mitarbeiter isolierten aus dem Herzblut von Rana catesbeiana den Erreger Aeromonas shigelloides.

Vorsorge:

Die Vorsorge liegt in erster Linie in der korrekten, artgerechten Haltung. Ferner ist natürlich auf eine gute Hygiene zu achten. Häufiger Wasserwechsel hilft, die Keimzahl in Grenzen zu halten und vermindert dadurch das Infektionsrisiko. Dies sollte eh gegeben sein, da Erreger wie Aeromonas, Pseudomonas und andere auch zu anderen Krankheiten bei den Fröschen führen können. So kann Aeromonas hydrophilia zum Beispiel Massensterben bei Kaulquappen auslösen.

Behandlung

Nach Eliminieren und Euthanasie erkrankter Indvidien muß der übrige Bestand sofort antibiotisch behandelt werden. Parallel dazu empfiehlt es sich, ein Antibiogramm anzulegen und gegebenenfalls das Antibiotikum zu wechseln. Riviere empfiehlt ein Gentamicin - Wasserbad (1mg/1ml Wasser). Wir können einen Erfolg bei dieser Therapie nicht bestätigen. Ein häufiger Wasserwechsel zur Senkung der Keimzahl, das Verteilen der infizierten Amphibien auf mehrere Becken sowie eine Temperaturabsenkung auf 15-18 Grad Celsius zeigten bei uns bessere erfolge. In jedem Fall sind die Terrarien und Gerätschaften gründlich zu desinfizieren. Wie bei Mykosen empfiehlt es sich auch hier mitunter eine vorübergehende trockenere, wärmere Haltung. Jegliche Milieuänderung hemmt in gewisser Weise die Keimentwicklung, schwächt jedoch auch gelegentlich den Organismus der Tiere. Red-Leg-Disaese tritt besonders häufig bei der Haltung in Labor- oder Transportbehältern mit künstlichem Substrat auf. In einigen Fällen schaffte das Umsetzen der Amphibien auf einen ihren Bedürfnissen entsprechenden Untergrund (Kies, Schlamm, lockere Erde ect.) Abhilfe trotz der darin ebenfalls reichlich vorhandenen Keime. Ein Verdrängen bzw. Verdünnen der Aeromonas durch den Einfluss andere Mikroorganismen gilt als natürliche Heilmethode.

 

 


Chytridiomykose

Diese Krankheit wird durch einen primitiven Pilz der Familie Chytridiomycota, Batrachochytrium dendrobatidis (LONGCORE et. al., 1999), ausgelöst und stellt fast weltweit eins der größten Probleme, vor allem für freilebende Amphibien dar. Im Terrarium wurde die Krankheit vor allem bei Dendrobaten nachgewiesen, die aus Zentralamerika importiert wurden oder bei Nachzuchttieren, die zu importierten Wildfängen Kontakt hatten. Chytridiomykose kann innerhalb kurzer Zeit einen ganzen Amphibienbestand dahinraffen. Die Infektionskrankheit betrifft sowohl Anuren (Froschlurche) wie auch Urodelen (Schwanzlurche). Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem Arten aus kühleren Lebensräumen wie z.B. Bergregenwäldern betroffen sind. Dort steigen durch die globale Erwärmung die Minimaltemperaturen zwar an, durch die daraus resultierende Wolkenbildung sinken die Maximaltemperaturen aber ab. Dieses Temperaturgefüge kommt dem Pilz sehr entgegen (POUNDS et. al., 2006). Man geht heute davon aus, dass z.B. bei 67% der in den letzten 17 Jahren ausgestorbenen, über 100 Harlekinkrötenarten Chytridiomykose schuld ist.

Ursache:

Ursache für die Krankheit ist ein Tröpfchenpilz, der erst 1997 als Auslöser der Krankheit identifiziert werden konnte. Nach neusten Vermutungen stammt der Pilz ursprünglich aus dem südlichen Afrika und wurde durch den Menschen über Krallenfrösche (Xenopus laevis), die von 1930 bis 1960 für Schwangerschaftstests verwendet wurden, verschleppt (WELDON et. al., 2004). Nachgewiesen wurde er zuerst in Australien und Amerika. Dort bedroht er viele, eh schon unter Druck stehende Amphibienarten. Inzwischen ist er aber auch in Europa, vor allem auf der iberischen Halbinsel, aber auch in Deutschland und Italien, aufgetreten. Auch in der Schweiz ist der Pilz inzwischen weit verbreitet und wurde unter anderem in den Kantonen BL, BE, LU, SG, ZH mehrfach nachgewiesen. Es wurden auch schon vermehrt tote Amphibien gefunden, die mit dem Pilz infiziert waren. Massensterben wurden bis heute aber noch keine beobachtet.

Symptome:

Batrachochytrium dendrobatidis dringt in die oberste Hautschicht postmetamorpher Amphibien ein und ernährt sich vom dort vorhandenen Keratin. Als Symptome werden Apathie, Nahrungsverweigerung, lange Aufenthalte im Wasser sowie Rötungen und Ablösungen der Haut, sowie plötzliche Todesfälle beschrieben. Erkrankte Tiere können sich nicht mehr umdrehen, wenn sie auf den Rücken gelegt werden (OEVERMANN, 2004). Kaulquappen und Larven sind von der Infektion nur am Maul betroffen, da nur dort das für den Pilz notwendige Keratin vorhanden ist. In der Haut fehlt ihnen diese Hornschicht.

Neuste Erkenntnisse gehen davon aus, dass ein großer Teil der Dendrobaten in der Terraristik unbemerkt befallen sind, die Krankheit aber nicht zum Ausbruch kommt. Allerdings können Veränderungen in der Haltung oder andere gesundheitliche Probleme zur explosionsartigen Vermehrung des Pilzes und zum Ausbruch der Krankheit führen.

Häufige Auslöser eines Chytridiomykose-Ausbruchs sind:

  • Neuzugänge im Terrarium, insbesondere Wildfänge und Tiere aus zweifelhaften Quellen
  • Andere Infektionen (z.B. Nematoden, Aeromonas- oder Pseudomonas-Erreger)
  • Plötzliche Veränderung des Klimas (Trocken- / Regenzeit) oder des Terrariums (--> Stress)

Vorsorge

Es gelten die üblichen Hygienemassnahmen im Terrarium. Außerdem sollten Neuzugänge immer eine Quarantänephase durchlaufen (sollte sowieso immer gemacht werden). Auf Wildfangtiere sollte grundsätzlich verzichtet werden. Allerdings ist das Auftreten des Pilzes nicht ausschließlich auf schlechte Haltungsbedingungen zurückzuführen.

Um Stress bei den Tieren soweit möglich zu verhindern, ist eine möglichst artgerechte Haltung anzustreben. Dazu gehören nebst einem sinnvoll eingerichteten Terrarium auch das Terrariumklima, die Beleuchtung und eine ausgewogene Ernährung der Tiere. Des Weiteren ist anzuraten, mehrere Amphibienterrarien nicht durch ein gemeinsames Abwassersystem miteinander zu verbinden. Dieses würde es dem Pilz problemlos ermöglichen, von einem Terrarium ins nächste zu gelangen.

Behandlung

Es gibt nach wie vor keine garantiert erfolgsversprechenden Behandlungsmethoden. Da der Pilz bei tieferen Temperaturen (17 - 25°C) besser gedeiht als bei Temperaturen über 25°C, erscheint es als sinnvoll, erkrankte Tiere bei etwas erhöhter Temperatur zu halten. Das einzige erfolgsversprechende Medikament ist Itrakonazol, meistens kommt aber eine Behandlung zu spät, da es nach wie vor keine Möglichkeit gibt, Chytridiomykose am lebenden Tier einwandfrei zu diagnostizieren. Eine fachgerechte Quarantäne ist natürlich bei einem Befall absolut unerlässlich (Quaratäne-Anleitung).

Wichtig: Es ist aber auf jeden Fall auch darauf zu achten, dass keine toten Tiere und kein infiziertes Material aus dem Terrarium in die Umwelt gelangt und dort die einheimischen Amphibien bedrohen kann. Am besten wird Kontakt mit einem Tierarzt oder einer zuständigen Stelle aufgenommen.

Chytridiomykose im Freiland

Die Krankheit dürfte nebst der Zerstörung des Lebensraumes zu einem großen Teil dafür mitverantwortlich sein, dass wir derzeit am Anfang der vermutlich größten Aussterbewelle bei einer Wirbeltierklasse seit dem Untergang der Dinosaurier stehen. Rund ein Drittel der etwa 6000 bekannten Amphibienarten sind unmittelbar vom Aussterben bedroht, über 130 Arten sind in den letzten Jahren bereits unwiederbringlich verloren gegangen. Das Stoppen dieser Entwicklung wird wohl die bisher größte Herausforderung im Artenschutz.

Das größte Risiko, dass der Pilz verschleppt wird, geht wohl von Herpetologen und Amphibienfreunden aus, die innerhalb kurzer Zeit verschiedene Biotope aufsuchen. Es ist wichtig, dass sich diese Leute des Risikos bewusst sind und sich entsprechend verhalten. So ist die gründliche Reinigung und Desinfektion des Equipments und der Schuhe beim Wechsel des besuchten Biotops absolut zwingend. Zur Desinfektion haben sich unverdünntes Javelwasser und 70%iger Alkohol bewährt. Beides sollte aber nicht in unmittelbarer Gewässernähe verwendet werden, da es sich um giftige Substanzen handelt. Auch Virkon hat sich als feldtauglich erwiesen. Bei größeren Pausen zwischen den einzelnen Biotop-Besuchen kann man die Ausrüstung auch vollständig austrocknen lassen oder kurz auskochen (mind. 5 Min. bei > 60°C). Weitere Informationen zur aktuellen Chytridsituation in der Schweiz findet man bei KARCH.


Fazit:

Es ist wieder ruhiger geworden um den gefährlichen Chitrid – Pilz. Noch vor 3 - 4 Jahren war es sehr akut und jeder wußte sofort wovon man spricht. Keiner wollte ihn und doch fast jeder hatte ihn. Der Eine mehr der Andere (völlig unbewußt) weniger. So zumindest auch die Vermutung von Herrn Mutschmann, denn der Erreger sei in viele Terrarien verschleppt worden. Nur unter ungünstigen Bedingungen kam er zu Ausbruch und hatte dann Seuchenartigen Charakter.

Die Behandlung unserer Pfeilgiftfrösche gestaltet sich nicht ganz einfach, denn die verfügbaren Medikamente stammen alle aus der Nutztierhaltung oder zum Teil auch aus der Humanmedizin. Damit ist das größte Problem auch die Dosierung, denn die Medikamente sind zumeist auf Kg - Lebengewicht abgestimmt. Ein Frosch wiegt aber nur wenige Gramm und so ist es schwierig bis unmöglich die richtige Dosierung zu finden. Eine Zwangsfütterung ist ebenso fast unmöglich wie die Versorgung von Entzündungen mit Salben. Was bleibt ist die Erkenntnis, im Vorfeld alles Erdenkliche zu tun, damit es nicht zu Erkrankungen kommt. Ein kranker Frosch ist in der Regel ein Todeskandidat!