Fliegenzucht

Drosophila - Fruchtfliege

Drosophila ist eine Gattung innerhalb der Familie der Taufliegen (Drosophilidae). Der Name „Drosophila“ ist eine moderne lateinische Adaption des Griechischen drósos, „Tau“ + phílos, „liebend“ + weibliche Endung -a. Die Gattung beinhaltet etwa 1500 Arten, von denen Drosophila melanogaster als gängiger Modellorganismus in der Genetik die bekannteste ist. Die verschiedenen Arten der Gattung unterscheiden sich zum Teil erheblich im Aussehen, Verhalten und in der Fortpflanzung.

Die für uns interessanten Fruchtfliegen sind Zuchtformen (flugunfähige Mutanten). Die Flügel sind degeneriert oder krumm, so dass ein Fliegen unmöglich wird. Es gibt auch Zuchtformen die nur noch über Flügelansätze verfügen. Sie variieren in Größe und Farbe erheblich. Die Frucht- oder Essigfliege ist ein ausgezeichnetes Futtertier. Sowohl die Imagines als auch die Larven werden gerne und bereitwillig gefressen. Wenn man von „der” Fruchtfliege redet, so hat man in der Regel die Art Drosophila melanogaster („Kleine Fliegen”) im Sinn, wie man sie im Sommer immer in der Nähe von (über)reifen Früchten findet. Aber auch andere Arten, wie z.B. D. hydei („Große Fliegen”) sind gut zur Vermehrung geeignet, wenn auch deren Zucht nicht ganz so ergiebig und schnell ist, wie die der D. melanogaster.

Biologie

D. melanogaster Weibchen legen die Eier direkt auf das Nährmedium. Nach etwa 24 h schlüpfen die ersten Larven. Sie ernähren sich hauptsächlich von Mikroorganismen wie z.B. Hefen. Innerhalb der nächsten 10 Tage häuten sich die Larven dreimal und verpuppen sich dann. Nach 4 - 5 Tagen schlüpfen die Imagines (Vollinsekten), sie beginnen sofort zu kopulieren und legen bereits am dritten Lebenstag wieder Eier. Vom dritten bis zum sechsten Lebenstag werden die meisten Eier produziert. Einige Arten wie D. melanogaster können ihren ganzen Lebenszyklus im Dunkeln verbringen, andere wie D. subobscura kopulieren nur bei Licht. Da man in der Regel gar nicht weiß, welche Arten genau gepflegt werden, muß man eventuell etwas experimentieren. Meine Ansätze stehen im Froschzimmer bei Tageslicht im Regal. Der Vermehrungszyklus der D. hydei ist wesentlich länger, als der ihrer kleinen Vettern; dafür ist die Standzeit der Ansätze, wenn man ab und zu verdunstetes Wasser nachfüllt wesentlich länger.

Kleine Fruchtfliege :  Drosophila melanogaster

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Grosse Fruchtfliege: Drosophila hydei

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Die Zucht

Als Zuchtbehälter kommen alle Behälter ab einer Größe von 0,5 Litern in Frage. Ich benutze Trinkbecher zur Einmalverwendung, denn ich möchte diese nicht auch noch reinigen. Ökologisch vielleicht bedenklich, aber ich führe sie wieder dem Plastikmüll zu. Abgedeckt wird der Zuchtansatz mit einem Damenstrumpf oder –Socken, welcher zusätzlich noch mit einem Gummi gesichert werden kann. Im Sommer empfiehlt sich eine doppelte Lage. Küchentücher oder Stoffreste sind nicht ideal, da die Festigkeit und Luftdurchlässigkeit Schwachstellen bilden. Schwämme hingegen sind idealer. Es kann passieren, dass sich flugfähige Fruchtfliegen, besonders im Sommer, durch den Strumpf mit den nicht flugfähigen im Becher paaren. Das dominantere Gen der fliegenden Drosophila setzt sich gegenüber den rezessiven der Mutanten durch und so können meist schon in der nächsten Generation alle wieder fliegen. In der Zuchtzeit sollten die Becher in kurzen Abständen (min. 1x die Woche) auf Feuchtigkeit des Breis und tl_files/berlinfrogs/Tipps/Droso/Ansaetze.jpgals Frischluftzufuhr kontrolliert werden.

Die Zuchttemperatur liegt bei melanogaster bei ca. +21° C  und bei Hydei bis +25° C optimal. Über 25° C kommt es dann nicht mehr zu einer Vermehrung. Dies zeigt sich besonders im Sommer, wenn im Hobbyzimmer die Temperaturen deutlich ansteigen. Die Entwicklung dauert, abhängig von der Zuchttemperatur ca. 2 Wochen bei melanogaster und ca. 4 Wochen bei hydei. Bei beginnender Larvenentwicklung entsteht Wärme die je nach verwendetem Untergrund zu Problemen führen kann. Ich stelle meine Ansätze in ein Spülmittelbad. Das hat den Vorteil, dass sich Milben nur schwer von Ansatz zu Ansatz ausbreiten können. Die Ansätze sollten nicht dunkel stehen. Etwas Tageslicht ist ausreichend. Die Fruchtfliegen sind absolut Krankheitsfrei. Aus diesem Grund ist es doch ein sehr wertvolles Futter! tl_files/berlinfrogs/Tipps/Droso/Ansatz1.jpgFrisch geschlüpft und etwas angefüttert, haben sie den höchsten Nährwert. Neue Fliegenansätze sollten immer mit dem ersten Schlupf erstellt werden. Diese sind am kräftigsten, weniger mit Milben belastet und in den ersten 3-6 Tagen werden die meisten Eier produziert. Später schlüpfende Fliegen können „Hungerformen“ entwickeln. Sie sind unbedingt mit Brei zu versorgen, bevor sie verfüttert werden. Sonst ist ihr Nährwert nahe Null. In alten Ansätzen nehmen Milben schnell überhand und sollten dann verworfen werden. Milbenfreie Ansätze gibt es nach meiner Erfahrung nicht. Sie werden automatisch mit den Fliegen von Ansatz zu Ansatz transportiert. Durch die Anzahl der verwendeten Fliegen pro Ansatz kann man sie gut im Zaum halten. Schimmel tritt immer nur dann auf, wenn zu wenig Fliegen im Ansatz sind oder kein/zu wenig Essig verwendet wird.

 


Der Brei

Als Brei genügt eine Mischung aus Haferflocken, Wein und Wasser. Die Beigabe von Essig, Hefe und Obst schadet natürlich nicht, allerdings muss dann eine stärkere Geruchsentwicklung ertragen. Alternativ kann ein Esslöffel Multi-Sanostol beigegeben werden. Damit wird der Vitaminbedarf ausgeglichen. Die Haferflocken zerkleinere ich noch zusätzlich in der Kaffeemühle. Der Brei sollte zehflüssig sein und sich leicht in die Becher füllen lassen. Hier gilt, eher feuchter als zu trocken. Wer ohne Essig und Hefe arbeitet sollte eine Messerspitze Nipagin (Konservierungsstoff aus der Apotheke, 4-Hydroxybenzoesäuremethylester) hinzugeben. Das verhindert die Schimmelbildung auf dem Brei. Nipagin ist nicht schädlich und wird in Instant-Mischungen ebenfalls verwendet. tl_files/berlinfrogs/Tipps/Droso/Ansatz2.jpg Die Breihöhe im Becher muss mindestens 2 cm betragen. (Verhindert auch dass zu schnelle Austrocknen) Zusätzlich kommt noch der Feuchtigkeitsentzug durch die Lauffläche wie Holzwolle, Pappe oder Küchenrolle. Holzwolle verliert an Festigkeit durch die Feuchte des Breis und kann in sich zusammen. Nachdem der Becher mit Brei und der Lauffläche befüllt wurde, kommen die Fliegen hinzu. Man sollte hier nicht zu sparsam sein, denn zu wenig Fliegen legen nicht ausreichend Eier und fressen auch nicht genügend Brei, so dass es trotzdem zu Schimmel kommen kann. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass Milben überhand nehmen. Kleine und große Fruchtfliegen lassen sich mit dem gleichem Brei ansetzen. Man kann etwas experimentieren, aber große Unterschiede gibt es nicht. Nicht verwendeter Brei kann im Plastikbeutel eingefroren werden und bleibt so garantiert Milbenfrei. Mit Hefe angesetzter Brei sollte eine Stunde ruhen und dann noch mal kräftig durchgerührt werden. Darauf achten, dass das Gefäß groß genug ist, den die Hefe geht und der Brei läuft sonst über.

 


Das Füttern

Ist die erste Hürde genommen, offenbart sich gleich die Nächste. Wie bekomme ich die Fliegen jetzt ins Becken, ohne das sie mir gleich alle auf einmal aus dem Becher laufen. Zunächst ist ein zweiter Becher, Glas oder Behälter notwendig, der die Fliegen aufnimmt. tl_files/berlinfrogs/Tipps/Droso/Futter.jpgIn diesen gibt man etwas Vitaminpulver (mit hohem Vitamin „A“ Anteil wie z.B. „AMIVIT A“). Vor dem Öffnen des Fliegenansatzes wird dieser mit der Unterseite auf den Tisch oder ähnlichem geklopft, so dass alle Fliegen von der Oberseite nach unten fallen. Erst jetzt wird der Ansatz schnell geöffnet und dann in Schräglage über der vorbereiteten Becker geklopft. Das Ausklopfen der Fliegen erfolgt je nach Bedarf. Vor dem Erneuten Verschließen des alten Ansatzes wird dieser wiederum an der Unterseite geklopft, Damit bleibt etwas Zeit um den Strumpf wieder zu fixieren. Die entnommenen Fliegen im zweiten Becher können durch das verwendete Vitaminpulver nur schwer die Seitenwände empor klettern. Es bleibt damit ausreichend Zeit, sie jetzt zu verfüttern.

 


Meine Tipps:

Es gibt mehrere Möglichkeiten die Fliegen etwas aufzuwerten. Man kann Sie einen Tag vor dem Verfüttern aus dem alten Ansatz in einen Neuen überführen. Man kann sie in ein Gefäß mit etwas Multi-Sanostol auf Wattepads anfüttern.3. Möglichkeit: Man nimmt eine Filmdose oder Petrischale o. Ä. gibt etwas Brei in oder auf diese und stellt sie mit ins Terrarium. Die Fliegen werden automatisch den Brei finden und sich dort satt fressen. Die Frösche lernen relativ schnell diesen Futterplatz zu finden und halten sich rund um ihn häufig auf. Aus dem Brei entwickeln sich später ebenfalls Larven, die gern gefressen werden. Auf einer Petrischale werden zusätzlich die Überreste des Vitaminpulvers gesammelt und können so einfach entfernt werden. Unter Verwendung von Karottensaft, Paprikapulver edelsüß und Knoblauchsaft im Fliegenbrei kann die Farbbrillanz der Frösche gesteigert werden. Knoblauchsaft unterstützt zusätzlich die Regeneration der Haut.

Rezept meiner Fliegenansätze:

  • frisches Obst oder Apfelmus
  • 1 Würfel frische Hefe
  • Apfelessig
  • Weizenkleie
  • gemahlene Haferflocken